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Schriftdolmetschverfahren im Überblick

Die derzeit in Deutschland zum Einsatz kommenden unterschiedlichen Schriftdolmetschverfahren sind aus der technologischen Entwicklung der Computerbranche heraus entstanden. Bis in die Mitte der 90 er Jahre des letzten Jahrhunderts wurden bei Veranstaltungen im Selbsthilfebereich insbesondere bei Tagungen und Kongressen des Deutschen Schwerhörigenbundes e.V. so genannte Hellschreiber eingesetzt , also Personen die gesprochene Gesprächsinhalte oder Redebeiträge stichwortartig zusammenfassten und auf einem Overhead-Projektor für alle sichtbar an eine Projektionsfläche projizierten. Diese Form der Visualisierung von Kommunikationsinhalten war insbesondere für Ertaubte und hochgradig Schwerhörige eine Hilfestellung kommunikative Inhalte zu erfassen. Jedoch blieben die Mitschriften, handschriftlich erstellt oder auf Overhead-Folien kopierte maschinengeschriebene Texte immer nur eine fragmentarische bescheidene kommunikative Hilfestellung für die Erfassung von vollständigen Kommunikationsinhalten.

Mit dem Einzug der, zunehmend kostengünstigeren PC Technik bis hin zum erschwinglichen Laptop, veränderten sich die Mitschriften auf Tagungen und Seminaren. So genannte Maschinenschreibkräfte, die in der Lage waren circa 300- 500 Anschläge im Maschinenschreiben sicher zu beherrschen, setzten sich zunehmend durch und verbesserten die kommunikative Situation Schwerhöriger dahingehend, dass wesentlich mehr Inhalte von Interaktions- und Kommunikationsprozessen zusammenfassend dargestellt und visualisiert werden konnten. Leider war auch diese kommunikative Hilfestellung immer noch zu großen Teilen fragmentarischer Natur und Schriftmittler, die über solch hohe Maschinenschreibleistung verfügten rar. Bis heute sind aber weiterhin noch Maschinenschreibkräfte tätig. Es besteht für diese nunmehr die Möglichkeit durch eine Qualifizierung den Abschluss eines Schriftdolmetschers nach der KHV zu erwerben und so in den verschiedensten Dolmetschsituationen tätig zu werden.

Mit der Einführung der computerkompatiblen Maschinenstenographie in Deutschland 2001 durch den Deutschen Schwerhörigenbund e.V. in Zusammenarbeit mit einem Bildungsträger änderte sich die Situation schlagartig. Durch das in den USA und anderen angloamerikanischen Ländern praktizierte Stenographierverfahren war es erstmals möglich, gesprochene Sprache in „ real- time“ eins zu eins in die Schriftsprache zu übertragen.

Anfang 2006 wurde dann im deutschsprachigen Raum erstmals nach dem „Spracherkennungsverfahren“ der Durchbruch erzielt. Diese technologische Entwicklung wurde begünstigt dadurch , dass die Prozessoren und Arbeitsspeicher der PC immer schneller und größer wurden , damit war es erstmal möglich auch mit diesem Verfahren Schriftdolmetscher auszubilden, die in der Lage sind eine faktische Simultanübersetzung von gesprochenem Wort in geschriebene Sprache umzusetzen.

Daher unterscheidet man heute im Bereich des Schriftdolmetschens folgende Übetragungs-und Übersetzungsverfahren . Die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Verfahren sind aus der nachfolgenden Übersicht ersichtlich.
 
Schriftdolmetschverfahren im Überblick

Merkmale

„konventionelle Computer“ - Verfahren

„Computerkompatible Maschinenstenographie“ - Verfahren

„Spracherkennungsverfahren“

Eingesetzte Technik (Hardware / Software)

Computer und Laptops mit Tastaturfeld Betriebssystem Windows und Office- Anwendungen

Computer / Laptops mit Stenotastatur als Eingabegerät, Eclipse Spezialsoftware mit diversen Steno-Spezialwörterbüchern

Computer / Laptop / Headset mit Windows System sowie Office- Anwendungen mit Spracherkenner - Software und Spezialwörterbüchern

Alternative Techniken Sub-Verfahren

Alternativen im PC Bereich vielfältig , je nach Leistungsfähigkeit der Hard- und Software einsetzbar
RISTOME – Verfahren (alternative Tastaturbelegung erhöht Tippgeschwindigkeit)

StenoCAT
Stenotype
Winner xp
(an die 10 alternative Steno-Verfahren mit unterschiedlichen Eingabesystemen)

Spracherkenner aus Spezialgebieten und im Telekommunikationsbereich

 

Anwendungsgebiete

 

Bürobereich
Kommunikationshilfe für Hörgeschädigte
Datenbankerfassung
Internetdienstleistungen

 

in angloamerikanischen Ländern in den Bereichen Gericht, Parlament, Unternehmen flächendeckende Verbreitung. In Deutschland noch wenig in der Anwendung.

Bürobereich
Kommunikationshilfe für Hörgeschädigte
Telekommunikationsunternehmen
Maschinensteuerung

Qualifizierungsangebote

Kurse für Schriftdolmetscher beim Landesverband der Schwerhörigen und Ertaubten NRW e.V.

Bildungsträger in den neuen Bundesländern / Qualifizierungskurse über Arbeitsagenturen und ESF

Schriftdolmetscher Qualifizierung bei Paulinenpflege Winnenden e.V. in Zusammenarbeit mit der Firma Kombia

Ausbildungsdauer

1-2 Jahre

2 Jahre (erf. Leistungsf. nach 5 J.)

1 - 2 Jahre

Lizenzkosten

Keine

Einmalige Anschaffung circa 10.000 Euro, Lizenzen weitere Kosten

Einmalige Anschaffung Spracherkennersoftware 1000 Euro , Lizenzen unbegrenzt gültig, Update kostenpflichtig (200-300 Euro)

Arbeitsweise in der Anwendung

Es wird auf dem 10 Finger- Tastatursystem inhaltlich zusammenfassend mitgeschrieben. Schriftdolmetscher müssen Tastaturanschlagsleistungen von 500-600 Anschlägen vorweisen

Über Stenotastaur werden Tastenkombinationen angeschlagen und so Silben über Eclipse-Software in langschriftlicher Form angezeigt

Über Headset (verschiedene Modelle) werden Sprachinformationen über Spracherkenner in langschriftliche Form / Schriftsprache übertragen

Kosten Hardware

Circa 700 Euro

Circa 2000 Euro

Circa 1000-1500 Euro

Einschränkungen der Technik

Schreibgeschwindigkeiten sind begrenzt, ergonomische Einschränkungen

Hohe Investionskosten und Lizenzgebühren, wenige Schnittstellen zu anderen PC Anwendungen, geschlossenes System

Arbeitsspeicher und schnelle Prozessoren sind nötig um gute Ergebnisse in der Spracherkennung zu erzielen .

Verbreitungsgrad

Sehr groß

Wenig verbreitet

Zunehmend wachsende Verbreitung

Erreichbare Schreibleistungen /Geschwindigkeiten

Tastaturanschläge bis 837 Anschläge pro Minute/ Weltmeister 2005

300 Anschläge (auf Stenotastatur) / Minute oder in etwa 350 Silben / Minute; dies entspricht etwa 1000 Normaltastaturanschlägen

160 Wörter pro Minute und mehr, dies entspricht etwa 400 Silben pro Minute (Stenotastatur) und circa 1400 Anschlägen auf Normaltastatur

Notwendige Schreibgeschwindigkeit zur Simultantextdarstellung

Nicht möglich , es wären bis zu 1300 Anschläge pro Minute erforderlich.

330-350 Silben pro Minute

120- 150 Wörter pro Minute

Simultanübersetzung möglich?

Nein

Ja

Ja